153 – Stiftung Vivala, Weinfelden

Neu- und Umbau
Projektwettbewerb im selektiven Verfahren
3.Rang

Situation

Die Anlage der Stiftung Vivala befindet sich am Fusse des Ottenbergs im Dreieck zwischen Weinfelden, Bürglen und Mauren. Die grosszügige Ebene ist sehr flach und geprägt von Feldern,  Obstgärten und Kiesgruben. Die Sonderschule Friedheim wurde 1977 in dieser Ebene durch die beiden Architekten Haldemann und Müller aus Grenchen realisiert. Auf dem historischen Plan von 1978 wird ersichtlich, dass die Anlage bei der Erstellung auf dem freien Feld lag und von Norden über die Hauptstrasse Weinfelden Mauren erschlossen wurde. Im Jahr 2002 wurde die neue Verbindungsstrasse Mauren Weinfelden direkt an die östliche Grundstücksgrenze der Sonderschule Friedheim gesetzt. Mit der streng orthogonalen Setzung der vier verschiedenen Baukörpern wurde eine attraktive Abfolge von Bauten und gefassten Aussenräumen geschaffen. Lineare Erschliessungskorridore strukturieren die klar gegliederten Bauten. Alle vier Baukörper werden durch einen mittigen Verbindungsgang miteinander verbunden. Das ursprüngliche Personalhaus wurde als einziges Gebäude etwas ausserhalb der Anlage erstellt.

Setzung

Im Rahmen des vorliegenden Projektes wird vorgeschlagen, das Haus E(neu) anstelle der bestehenden Parkierung in direkter Verlängerung von Haus D zu setzen. Das Haus E (neu) wird zum Hauptgebäude mit Hauptzugang, es bildet die Adresse der Anlage. Mit dieser Setzung wird eine direkte Anbindung vom Haus E(neu) an das Haus D gewährleistet. Zwischen Haus E(neu) und Sonderwohngruppen (Haus A) entsteht dadurch ein attraktiver Aussenraum, der das Potential hat zu einem parkähnlichen Zentrum der Anlage zu werden. Die Parkierungsflächen werden an den Rändern angeordnet. Mit der vorgeschlagenen Setzung kann eine klare Trennung von motorisiertem Verkehr und Fussgängerzone erreicht werden.

Architektonisches Konzept

Es wird eine klare und einfache Zuordnung der Nutzungen auf die drei Gebäude vorgeschlagen. Das Haus D wird zum Schulhaus, das Haus E zum Hauptgebäude mit Anmeldung, Verwaltung, Betriebs- küche, Mehrzweckraum und Beschäftigung und das Haus F bleibt das Sportgebäude.

Schulhaus (Haus D)
Der Zugangsbereich zum Haus D mit Treppenhaus und Lift hat einen direkten Bezug zum seitlich angeordneten, gedeckten Wartebereich. Damit wird in der Mitte Platz frei für den Mehrzweckraum, der in der Verlängerung des Essraums angeordnet wird. Die beiden Räume werden durch eine mobile Trennwand zoniert und können bei Bedarf zusammengelegt werden. Die Spielhalle / Multifunktionsraum ist im Zentrum des Schulgebäudes zwischen den beiden Höfen angeordnet. Damit erhält sie einen direkten Bezug zu den beiden Atrien wie auch zum Pausenplatz.
Die vier Lerninseln werden an den zwei Längsfassaden gruppiert. Zwischen jeweils zwei Schulzimmern befinden sich Gruppenraum und Einzeltherapie. Sämtliche Nebenräume sind in der gleichen Anordnung den Schulzimmern zugeordnet. Die Wickelräume können jeweils direkt aus den Schulzimmer erreicht werden. Der Kindergarten erhält einen eigenen, abgegrenzten Hof auf der Westseite. Auf der Ostseite sind Unter- und Mittelstufe angeordnet. Sie verfügen über einen direkten Aussenbezug und Zugang zum Pausenplatz. Im Zentrum sind die gemeinschaftlichen Räume wie Essen, Spielhalle und Multifunktionsraum untergebracht. Damit brauchen die Kinder das Haus D für das Mittagessen nicht zu verlassen. Die Atrien werden geöffnet und belichten die innenliegenden Korridorbereiche und die angegliederten Räume. Abgeschlossen wird das Gebäude durch die Bibliothek und das Lehrerzimmer.

Hauptgebäude (Haus E)
Das Haus E wird von der Westseite her betreten. Der Windfang führt direkt zum prominent platzierten Laden «Blickfang». Direkt beim Eingang befindet sich die Haupttreppe mit zwei leistungsfähigen Liften. Sie sorgen für eine gute Erschliessung des Obergeschosses.
Die Tagesstruktur wird auf zwei Geschosse verteilt. Je vier Beschäftigungsräume und zwei Freizeiträume werden im Erdgeschoss und im Obergeschoss angeordnet. Im Erdgeschoss erhalten sie einen direkten Bezug zum parkähnlichen Aussenraum und im Obergeschoss zu den grosszügigen Aussenterrassen.
Die Betriebsküche und der Aufenthaltsbereich Küche ist im Erdgeschoss angeordnet. Ein separates Treppenhaus und ein Warenlift binden die Anlieferung und Küche optimal an die Küchennebenräume im UG an.
Die Verwaltungsräume befinden sich neu im Obergeschoss mit Ausnahme von Sekretariat und Büro Kinder. Diese sind im Erdgeschoss angeordnet.
Eine langgezogene Laterne belichtet den zentralen Kern mit Treppenanlagen und zweigeschossigem Innenhof und sorgt damit für eine gute Belichtung des zentralen Bereichs, sowohl im Ober- wie auch im Erdgeschoss.

Sportgebäude (Haus F)
Das Haus F wird über das Haus D erschlossen, es dient ausschliesslich dem Sport. Turnhalle und Bad bleiben am bestehenden Ort. Die Garderoben und die Nebenräume werden entsprechend den geänderten Bedürfnissen neu organisiert. Die oberirdische Trafozentrale wird abgebrochen und im Untergeschoss im ehemaligen Tankraum von Haus F untergebracht. Damit wird die verunklärte räumliche Situation an dieser empfindlichen Stelle korrigiert und die ursprüngliche Gestaltungsabsicht wieder hergestellt.

Aussenraumgestaltung und Erschliessung

Der motorisierte Verkehr wird mit der Setzung vom Haus E (neu) aus dem Zentrum an den Rand der Anlage verschoben. Damit wird eine konsequente Trennung von motorisiertem Verkehr und Fussverkehr umgesetzt. Auf diese Weise kann die Verbindung sämtlicher Bauten untereinander ohne Querung einer Strasse mit motorisiertem Verkehr gewährleistet werden.
Mit kleinen, präzisen Eingriffen wird das Grundkonzept weiter geschärft. Die Tiefgarage inklusive Rampe wird aufgehoben. Dadurch entsteht ein grosszügiger Vorbereich vor dem Haus E (neu) mit Besucherparkplätzen und einem einladenden Aufenthaltsbereich beim Haupteingang. Die gesamte Anlage erhält dadurch einen attraktiven Empfang mit klarer Adressbildung.
Zwischen Haus D (Schule) und Haus F (Sport) wird ein gedeckter Wartebereich vorgeschlagen, der direkt vom Haus D erschlossen wird. Das Dach wird gleichzeitig vom Kindergarten genutzt und zoniert den Hof vom Erschliessungsbereich ab. Der grosszügige Wendeplatz ermöglicht eine entspannte Situation für das Be- und Entsteigen der Kleinbusse.
Zwischen Haus D und Haus E (neu) entsteht ein offener, platzähnlicher Ort, der die beiden Baukörper über den Aussenraum noch stärker zusammenbindet.
Die Küchenanlieferung und die Entsorgung befindet sich auf der Nordseite vom Haus E. Damit wird der Anlieferverkehr vom Personenumschlag klar getrennt.
Im Bereich der Anlieferung und des Pausenplatzes wird jeweils ein Pavillon für Freizeitgeräte vorgeschlagen. Die drei zusätzlichen, gedeckten Parkplätze (Aufhebung Tiefgarage) werden zusammen mit den bereits vorgesehenen, gedeckten Parkplätzen an der Ostseite des grossen, vergrösserten Parkfeldes angeordnet.
Das Bepflanzungskonzept unterstreicht mit seinen Baumreihen die architektonische, orthogonale Gliederung. Ergänzt wird es durch standortgerechte Stauden- und Strauchpflanzungen als stimmungsvoller Filter zwischen Haus E und der Besucherparkierung sowie beim Aufenthaltsbereich. Schotterrasenflächen mit punktuellen Magerwiesen-Ansaaten und einer belastbaren Fundation für Schwerlast dienen der Parkierung und der Feuerwehrzufahrt.
Im Park auf der Ostseite und bei der Versickerungsanlage zur offenen Landschaft im Westen beleben Baumgruppen mit vielfältigen Arten von Laubgehölzen (hoher Biodiversitätsindex) die Wiesen- und Rasenflächen.

Projektdaten

Ort Weinfelden
Bauherr Stiftung Vivala
Programm Wohnheim und Beschäftigung für Kinder und Erwachsene mit Beeinträchtigungen
Jahr 2021
Kosten 22,5 Mio.
Geschossflächen 8'800 m2