040 – Schule für cerebral gelähmte Kinder, Winterthur

Neubau
Projektwettbewerb

1.Preis (Anerkennung, Architekturpreis Region Winterthur 2012)

Bunter Kern in schlichter Hülle

Mit dem Erweiterungsbau finden die vier Oberstufenklassen in der städtischen Tagesschule für behinderte Kinder ihren eigenen Raum. Der zweigeschossige Quader aus sandfarbenem Beton und Glas integriert sich harmonisch in die Anlage aus den siebziger Jahren und schliesst den offenen Grünraum zwischen dem bestehenden Schulgebäude, der Kirche und dem Pfarreiheim zu einem grosszügigen Hof. Auf der Aussenseite des lockeren Gevierts bildet der Mattenbach eine natürliche Grenze.

Die Fassaden des Neubaus gliedern sich in geschlossene Wandscheiben aus aufgerauhtem Kratzbeton und grosse, zusammenhängende Glasflächen. Einziges Schmuckelement der Aussenhülle bildet ein ornamentales Muster in der Nordfassade des Obergeschosses: 350 kreisrunde Löcher wurden von Hand in den sandbeigen Beton gebohrt – und verleihen dem dahinterliegenden Terrassenhof ein lebendiges Schattenspiel. Textile Sonnenstoren in warmem Bordeauxrot vervollständigen die ansprechende Hülle.

Zwei Elemente prägen die innere Gestaltung: die Auflagen behindertengerechten Bauens und eine wiederum fein abgestimmte, nun aber kraftvolle Farbigkeit, die den Kindern als Orientierungshilfe dient. Durch raumhohe gläserne Schiebetüren gelangt man in eine kleine Lounge. Von diesem Punkt wird die Gliederung des Grundrisses in drei parallele Längsschichten deutlich: Die mittlere Zone dient der Erschliessung und bündelt sämtliche Nasszellen. An der Ost- und an der Westfassade reihen sich im Erdgeschoss Lehrerzimmer sowie Spezialräume für Logopädie, Heilpädagogik und Handarbeiten, im Obergeschoss die je 50 Quadratmeter grossen Unterrichtsräume für Klassen von sieben bis acht Schüler. Die nördliche Stirnseite nimmt eine halb ins Erdreich eingelassene, zweigeschossige Turnhalle ein. Sie öffnet sich nach aussen wie nach innen je mit einem Fensterband, so dass der Blick diagonal durch den Hallenraum ins Grüne schweifen kann.
Sämtliche Böden sind mit griffigem blauem Gummigranulat belegt.

Einen kräftigen Kontrast dazu bilden die magentaroten Erschliessungskerne in der Mitte des Gebäudes: leuchtende Säulen auf dunklem Grund, die durch zenitale Oberlichter mit Tageslicht versorgt werden. Neutral und hell sind die Klassenzimmer gehalten. In den Korridorbereichen sind die Wände mit anisfarbener Tapete bespannt. Elegant ist die Verbindung zum Altbau gelöst: Ein unterirdischer Gang stellt nicht nur die verborgene Koppelung des Neuen ans Alte dar, sondern ein subtiles Stück Weg – durch einen Farbverlauf von gelb nach blau. (Anna Schindler)

Projektdaten

Ort Winterthur
Bauherr Stadt Winterthur, Departement Bau
Programm Schule für cerebral gelähmte Kinder
Jahr 2004-2009
Kosten 10.4 Mio. CHF
Geschossflächen 2000 m2